Nicht nur bei Twitter selbst häufen sich die Informationen derart, dass ein nerviger Überfluss besteht. Derzeit scheint es die SPD zu sein, die sich bei dieser Thematik wieder besonders in den Vordergrund rückt. Dies mag ein Grund sein, weswegen Twitter-Fakes, die bezug nehmen auf die SPD, derzeit groß in Mode sind.
Einen kurzen Blick auf die besonderen Vorkomnisse der letzten Tage zu werfen, mit den lustigen erwartbaren Veränderungen im Hinterkopf, lohnt sich da vielleicht.
Kurt Beck, der medial ununterbrochen gefoppte SPD-Vorsitzende, was laut Müntefering das schönste Amt nach dem Papstum ist, schmeisst Sonntag per E-Mail die Brocken hin, nachdem nicht er offiziell, sondern Untergebene inoffiziell verkünden, dass Frank-Walter Steinmeier Bundeskanzlerkandidat wird. Um diese an sich schon lustige Posse noch zu garnieren, schlägt er Olaf Scholz als neuen SPD-Vorsitzenden vor, damit noch einmal gezeigt werden kann, dass wirklich niemand in der SPD Kurt Beck ohne weiteres folgen mag. Außer Olaf Scholz vielleicht.
Am gleichen Abend muss Hubertus Heil in Anne Wills Politikrunden-Imitation antreten. Dabei gelingt Hubertus Heil das wundersame Kunststück, einen noch deplatzierteren Eindruck in der Sitzgruppe zu hinterlassen als die Gastgeberin. Was er dabei zeigt, ist irgendwo einzuordnen zwischen parteilicher Angeschlagenheit und persönlicher Irritation. Bodo Ramelow, ein nicht ganz so charismatischer Zweitereihesitzer der Linken, entgegnet er eine vielleicht zutreffende Kritik an der Verknüpfung der Linken mit den alten Stasi-Kadern. Nehmen wir mal hin, dass diese Aussage nicht völlig daneben ist, so offenbahrt die Reaktion Heils aber einerseits ein Mit-Kanonen-auf-Spatzen-schießen. Interessanter für eine Diskussionsrunde, und das meint eben auch für die Wähler im Studio und am Bildschirm, wäre eine Auseinandersetzung in der Sache gewesen. Läßt sich Heil nicht auf diese ein, kann er das entweder nicht oder hat keine Argumente. Desallem ungeachtet brabbelte Heil andererseits, was das Zeug hält, und schien nicht nur für die SPD, sondern auch für sich selbst kämpfen zu müssen. Heil war einst derjenige, der anstelle Wasserhöfels, dem Wunschkandidaten des jetzigen Beck-Nachfolgers Müntefering, als Generalsekretär eingesetzt wurde. Die Wettquoten darauf, dass Heil auch im kommenden Jahr Generalsekretär ist, dürften dürftig sein.
Montag Abend dann zeigten Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier ihr Antlitz im Ersten Deutschen Fernsehen. Jener bei Beckmann und dieser in den Tagesthemen.
Peer Steinbrück pochte auf den medialen Einfluß auf die Ereignisse des Wochenendes. Dieser Einfluß sei stärker geworden “in den letzten 20, 30 Jahren”. Na, herzlichen Glückwunsch für diese Gabe der genauen Auskunftsgebung. Das herauszufinden hätte man alleine gar nicht geschafft. Insgesamt hinterließ Steinbrück eher den Eindruck eines Pressesprechers, der kritische Fragen abzustellen hat. Dabei war der kritische Fragensteller Reinhold Beckmann.
Frank-Walter Steinmeier macht, zugegebenermaßen, noch die beste Figur unter all diesen Politikdarstellern. Das ist aber auch eigentlich nur darauf zurück zu führen, dass er nicht pampig (Beck), überhastet (Heil) oder zerfahren (Steinbrück) auf den Zuschauer wirkt. Wie seltsam, dass schon das alleine reicht, um derzeit in der SPD als kommende Gallionsfigur gehandelt zu werden. Mag dies auch beruhigend auf die Genossen wirken, insofern, als dass man bei Steinmeier nicht permanent Peinlichkeiten lauern sieht, Zuversicht sieht anders aus. Denn wenn etwas Herrn Steinmeier fremd ist, dann ist das Wahlkampf. Im Speziellen ein Wahlkampf, in den man als totaler Underdog einsteigen muss. Und sowas lässt sich bei einem gefühlten 20%-Abstand zur CDU derzeit wirklich nicht anders ausdrücken. So wirkt sein beharrlicher Hinweis darauf, dass die SPD zu neuer Geschlossenheit gefunden hat, geradezu realitätsentrückt angesichts einer Partei, die freiwillig ein solches Kasperletheater in letzter Zeit veranstaltet. Denn dies ist eindeutiges Anzeichen größter Unstimmigkeit zwischen den Genossen.
Und was gab es denn eigentlich zu sagen? Kurt Beck war eine Fehlbesetzung. Hervorragend für Rheinland-Pfalz, aber ungeeignet, die SPD in vorderster Linie zu repräsentieren und von Rheinland-Pfalz aus aus der Krise zu ziehen. Die neuen Alternativen sind nicht toll, aber besser als Beck, daher sollte jener irgendwie gehen.
Wie will aber eine Partei Wählerstimmen und Bundestagswahl gewinnen, die diesen simplen Sachverhalt nicht simpel geregelt bekommt und die dabei, derzeit profillos, gegen eine derzeit prozentual übermächtige CDU und eine zickige Linke antritt?
September 9th, 2008
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