Archiv für Dezember 2009

Die Top10-Tweets 2009

Das Favorisieren einzelner Tweets hat sich mittlerweile verselbständigt. Früher waren es einige Wenige, die sich bei textism.com anmeldeten, um dort nachschauen zu können, wer die eigenen Sachen so favorisiert hatte und welche die anderen toll finden. Inzwischen ist das von einer gut betrachteten Einzelbetrachtung, die man hervorhebenswert finden, übergegangen zu Massenanklicken. Wir haben viele Twitter-Accounts ausgemacht, deren Tweets unheimlich oft favorisiert werden, auch wenn in ihnen nur leicht durchschaubare Aphorismen zusammengeklatscht werden. Und dieses Zusammengeklatsche ist ohne Bezug zu etwas gerade geschehenem und dient nur dazu, favorisiert zu werden. Dieser Drang zur Selbstbestätigung durch Zustimmung vieler hat was von der Freunde-Sammelei auf Facebook.

Das war offensichtlich einer der Gründe, weswegen textism.com seine Favorisierungsseite abgeschaltet hat. Mit dieser Liste erheben wir nicht den Anspruch, alle Tweets bewertet zu haben, nur diejenigen, die wir gelesen haben. Und auch bei den wenigen, die wir in die Top10 aufnehmen, sind wir gar nicht so sicher, ob die Reihenfolge so stimmt. Manchmal findet man etwas spontan witzig, aber der Witz verfliegt schnell. Bei einigen Tweets ist der Witz so stark situationsabhängig, dass man Nichteingeweihten den Witz nicht verklickern kann.

Daher besteht diese Liste aus Tweets, über die wir beide mindestens zweimal gelacht oder geschmunzelt haben. Wir hoffen, der Witz kommt über.

10. Platz: Der Ibbenbürener Humor

Zu Anfang lassen wir mal ein bisschen Lokalkolorit walten und huldigen den Ibbenbürener Humor, diesmal vorgetragen von Tom Gäbel und Ingo Knollmann, Frontman der Donots. 10. Plätze sind ja eh nicht so wichtig und schnell vergessen, daher sei er mal auf diese Weise genutzt:

9. Platz: Was besonderes

Kurze Unterbrechung, da kommt gerade was über den Ticker…

8. Platz: Auch irgendwie Ohrwurm

Es gibt manche Einträge auf Twitter, die haben einen gewissen Clou, ohne der große Brüller zu sein. Wenn man aber selbst dann mal in einer derartigen Situation ist, begegnet man der Schwierigkeit, diese Tweets im Hinterkopf zu haben und ihren weiteren Verlauf zumindest im Kopf selbst mal nochmal durchzuspielen. Stellvertretend hierfür wird der 8. Platz auch nochmal zweigeteilt:


Wie gesagt, etwas muss gar nicht der große Brüller sein, um im Hinterkopf zu bleiben. Etwas ausgefallener wird da aber schon OlramX:

7. Die gute alte Zeit

Das geht ja fix soweit, zur Zerstreuung kurz ein Chuck-Norris-Witz…

6. Die nächste Runde

5. Die Tücken der Technik

Das Blöde an der heutigen Technik ist ja oftmals, dass man soziale Beziehungen zu Dingen aufbaut, die damit gar nicht umgehen können.

Zeit für einen Scherz wär noch da. Fips Asmussen darf auch nochmal ran

4. Spontane Selbstreflexion

Eine neumoderne Handlung, die sich mittlerweile immer öfter an langen Kassenschlangen antreffen lässt, ist das spontane Versinken in sich selbst und das Reflektieren darüber, was so gerade passiert:


3. Überdachte Gepflogenheiten

Manche Dinge kommen einem irgendwie auf fast schon perverse Art und Weise falsch vor. Und irgendwie weiss man eigentlich gar nicht so genau, wieso…

(Carsten:) Und bevor wir zu den Toppern kommen, sei noch mal gesagt, dass man über Twitter auch ganz hervorglänzend fluchen kann:



Ja genau: Also ob ich der Einzige wär den das scharf macht! … Egal!

2. Abgewöhnung

Kommen wir jetzt also zu den Anführern dieser Liste. Auf Rang 2 kommt Hoch21, der kontinuierlich auf außergewöhnlich hohem Niveau twittert. Er wäre sicher auch mit mehreren Einträgen hier vertreten, hätten wir nicht beschlossen, dass jeder nur einmal reinkommt. Die Freude sei darüber nicht getrübt, verehrte Damen und Herren, lehnen sie sich entspannt zurück und genießen Sie feinste Twitterkunst:

1. Der erfahrene Skeptiker

Das war sie auch schon so langsam, die Top-10-Tweet-Liste dieses Jahres. Sie wird angeführt durch Ralf Heimann aus Münster durch einen Tweet, der sich geistreich und spontan eines aktuellen Themas annimmt und ihm eine witzige Wendung einverleibt. Das ist genau das, was Twitter eigentlich so reizvoll macht. Hier ist Platz 1:



Das war’s von uns für dieses Jahr! Allen Lesern einen guten Rutsch und viel Spaß!

Kim & Carsten

Japanese fake floor

I gotta say, I’m a bit afraid of Japan. This is not only a fall-into-a-fake-floor-full-of-water joke, this is a a fall-into-a-fake-floor-full-of-hot-water joke. Jeeez.

Bundesregierungeskes Einschüchtern

Bundesfamilienministerin Kristina Köhler hat eine Anwaltskanzlei die Bildzeitung anbellen lassen, so sehr scheint ihr gerade ihr (Doktor-) Hut zu brennen. Nun bin ich nicht gerade ein Freund der Bildzeitung, aber das Schreiben, das (in schlechtem Deutsch) im Auftrag der Ministerin da rausging, ist dem Amte nun wirklich nicht würdig.

Man gehe nicht davon aus, dass die Bildzeitung “tendenziös” über den Arbeitseinsatz einer 400€-Kraft, die für die Doktorarbeit von Frau Köhler eingestellt war, berichte. Sollte das dennoch passieren, darf die Bildzeitung sich auf eine 6stellige Forderung gefasst machen.

Somit wird also weiter auf dieser merkwürdigen Doktorarbeit rumgekaut. Vom Barbara-Streisand-Effekt hat man bei der CDU wohl noch nichts gehört. Vielleicht soll das Ganze auch nur übertünchen, dass Köhler politisch gerade keine Begeisterung auslöst.

mehr
Süddeutsche Zeitung: Frau Doktor hat Ärger mit “Bild”
Kai Diekmann: Der Ministerin (bzw. ihrem Anwalt)

Harry Potter and the Magic of Puberty

Mystery Science Theater 3000 – The final sacrifice

156 countries sing ‘All you need is love’

Don’t try this at home

Urban Priol – Tilt 2009

Für alle, denen die freien Tage so langsam etwas lang werden, habe ich den Jahresrückblick von Urban Priol, der sich bei YouTube findet (dort aber etwas ungeordnet), hier mal zusammengestellt. Und auch er greift auf einen Tweet aus meinem Twinterview mit Kristina Köhler zurück.

Alle mal lachen über den Axel Springer Verlag (IV)

Auch an Weihnachten verschont man die deutsche Leserschaft beim Axel Springer Verlag nicht mit ihrer nervigen Kampagne gegen die Tagesschau-iPhone-App. Und redete man in den vergangenen Tagen noch von der Wahrung des Qualitätsjournalismus’ und der Meinungsvielfalt, schlägt man nun genau diesen beiden Dingen ins Gesicht.

Nun hat man drei Politiker gefunden, die gerne mal wieder ihren Namen über die Bildzeitung promotet sehen möchten. Und auch diese drei Wichtel übernehmen artig die Untergang-des-Abendland-Attitüde, die diesen lächerlichen Streit begleitet. Tituliert wird der Artikel, der die Aussagen der drei Politiker darlegt, wie folgt:

Alle Parteien einig. Politiker kritisieren Tagesschau-App

Bei den Aussagen handelt es sich offensichtlich nicht um Standpunkte der Parteien. Selbst wenn dem so wäre – zur Bundestagswahl 2009 sind 27 Parteien angetreten. Aus der Haltung von 3 Parteien zu schließen, alle Parteien seien dieser Meinung, ist ziemlicher Unsinn.

Lars Klingbeil wird so zitiert, als nähme er diesen Streit zum Anlass, um eine neue Gebührenordnung der öffentlich-rechtlichen Sender zu fordern. Unklar ist, ob er sich überhaupt über diese Software geäußert hat. Burkhard Müller-Sönksen, ein Stammgast in den Artikeln des Springer-Konzerns, bedankt sich scheinbar auf seine Weise für die mediale Präsenz, indem er gegen die Tagesschau-App wettert, diese werde von einer Mehrheit über die Gebühren bezahlt, käme aber nur einer Minderheit zugute. Mit dem Argument könnte man die Gebärdensprachdolmetscher bei den Nachrichtensendungen auch gleich rauskicken.

Wolfgang Börnsen bescheinigt gegenüber der Bild ARD und ZDF, auf dem besten Wege zu sein, ein Kartell zu betreiben. Zuvor hatte Börnsen in der Bild Günter Grass aufgefordert, seinen Literaturnobelpreis zurück zugeben. Nur mal so für diejenigen, die gerade nicht wissen, wo das Niveau hängt, wenn Politiker wie Börnsen in der Bild was fordern.

Ein Artikel, den man unter Qualitätsjournalismus verbuchen könnte, und der ähnlich in der WELT steht, ist dies nicht. Alle drei Politiker erwecken eher den Eindruck, dieses Thema als Trittbrett, um mal wieder öffentlich in Erscheinung zu treten, zu verwenden.

Und was die Meinungsvielfalt angeht, die der Axel Springer Verlag durch die Tagesschau-App ebenfalls in Gefahr sieht: Nachdem auf der Seite der WELT in den Kommentaren die Diskussion um die App sich verstärkt in eine Kritik am Axel Springer Verlag wandelte, sperrte man kurzerhand bei der WELT die Kommentarfunktion.

Qualitätsjournalismus und Meinungsvielfalt sind eben für manche Verleger nichts weiter als Mode-Etiketten ohne eigenen Inhalt.

mehr
Tagesspiegel : App-Politiker

Ho, ho, ho – Santa’s stand up

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